Eine Musikkapelle mit Geschichte(n)
Alles beginnt im fernen Jahr 1840. In diesem Jahr wird die Musikkapelle Truden gegründet, wie Aufzeichnungen des damaligen Dorflehrers Franz Egarter bestätigen. In den folgenden 41 Jahren wird nur eine dürftige Chronik geführt, weshalb heute über die Tätigkeit nur gemutmaßt werden kann.

Die erste schriftliche Nachricht über die Existenz einer örtlichen Musikkapelle im Gemeindearchiv Truden findet sich im Protokoll der Gemeindeausschusssitzung vom 26. Dezember 1881. Damals stellte Franz Egarter den 19 Musikanten ein Schulzimmer für die Proben zur Verfügung. Die Haupttätigkeit der Kapelle bestand in der Teilnahme an kirchlichen Feierlichkeiten, wie beispielsweise Prozessionen. Die Dorflehrer fungierten in dieser Zeit häufig als Chorleiter oder Organisten. Die Musikkapelle Truden muss in diesen Jahren gute Leistungen erbracht haben, denn anlässlich der Feierlichkeiten zum 82. Geburtstag des Kaisers am 18. August 1912 stand im Tiroler Notizblatt: „Es gebührt den wackeren Musikern großes Lob für ihre Leistungen, und ganz besonders ihrem Kapellmeister, Schulleiter Turrini, der sie durch seine stramme Schulung so weit gebracht hat, dass die Trudner Musiker neben jeder anderen mit Erfolg auf den Plan treten können.“
Düstere Zeiten im Ersten Weltkrieg
Kurz darauf türmten sich düstere Wolken am Horizont: Der Erste Weltkrieg brach aus. Nach Kriegsende fanden sich zwar zögerlich einige Musikanten wieder zusammen, doch schon drohte ein erneuter Krieg, und die Vereinstätigkeit wurde wieder eingestellt. Die Trudner Musikkapelle musste 1935 zwangsweise der Opera Nazionale Dopolavoro beitreten und ihr Repertoire umstellen (Walzer und Polkas waren verboten), um weiter bestehen zu können, die Hüte mit weißer Hahnenfeder wichen Schirmmützen.

Aufgrund des zunehmenden politischen Drucks wurde die Kapelle bald ganz aufgelöst. Erst 1947 bildeten die aus dem Krieg zurückgekehrten Musikanten unter der Leitung von Josef Gabrielli, der bereits vor dem Krieg langjähriger Kapellmeister war, eine neue Musikkapelle. Einige Jahre später freute sich die Kapelle über einen bekannten und berühmten Kapellmeister: Sepp Thaler, der Wurzeln in Truden hatte, übernahm das Dirigentenpult.
Ein neues Zeitalter für die Musikkapelle Truden
1957 übernahm der junge, talentierte und am Bozner Konservatorium ausgebildete Trudner Hansjörg Finatzer die Musikkapelle und leitete sie bis 1984. Eine eigene Tracht erhielt die Kapelle endlich 1960, damals ausschließlich für Männer. In den 70ern und 80ern gaben die Musikanten häufig im Ausland Konzerte und waren viel unterwegs, einige Partnerkapellen besuchten die Musikkapelle aber auch in Truden, ein reger Austausch entstand.

1984 trat Hansjörg Finatzer aus gesundheitlichen Gründen zurück. Ein herber Rückschlag für die Musikkapelle Truden, denn nach so vielen Jahren fiel der Abschied wahrlich nicht leicht. Zwei Männer übernahmen hintereinander den Kapellmeisterposten, doch es verließen so viele Musikanten die Kapelle, dass nur noch zwölf übrigblieben. Das Dreigespann Ulrich Franzelin, Karl Heinz Pernter und Josef Stuppner suchte auf Hochtouren nach einer Lösung – und fanden sie in Dieter Bonelli. Der junge Musiker brachte die Kapelle in kurzer Zeit wieder auf ein beachtliches musikalisches Niveau, bis sie 45 Mann zählte.
Neues Obdach und Equipment für die Musikkapelle
Die Musikproben hatten früher in einem kahlen, zugigen, nur mit einem Holzofen beheizbaren Parterreraum der „Alten Mühle“ stattfinden müssen, ein mit der Zeit unhaltbarer Zustand. Nach einigen Diskussionen begann 1993 der Ausbau eines Lagerschuppens in der Nähe der Grundschule zu einem neuen Probelokal. Ein weiterer großer Wunsch sollte der Kapelle mit der Anschaffung der historischen Tracht erfüllt werden. Bereits 1989 hatte der damalige Obmann Karl Heinz Pernter mit Trachtenfachmann H. Rizzolli in Bozen die Möglichkeiten erörtert, die historische Unterlandler Tracht in Truden einzuführen. Nachdem das Thema wegen der hohen Anschaffungskosten dann für mehrere Jahre auf Eis gelegt wurde, konnte sich die Kapelle 1997 stolz mit der neuen Tracht zeigen.

Nach mehreren Wechseln am Dirigentenpult übernahm 1998 Manfred Sanin aus Margreid für fast zehn Jahre die Kapelle. Mit ihm wurde ein junger dynamischer Lehrmeister engagiert , der das Niveau der Musikkapelle ständig verbesserte. Im Sommer des Jahres 2007 stand die Musikkapelle vor einer schwierigen Hürde , da im Mai desselben Jahres der gesamte Ausschuss zurückgetreten war. Mit viel Einsatz gelang es einigen Jungmusikanten rund um den damaligen Obmann David Franzelin, den Fortbestand der Kapelle zu sichern. Die folgenden Jahre waren von regem Wechsel am Kapellmeisterpult geprägt: Auf Stephan Hanspeter folgte ein Jahr später, 2008, Andrea Loss aus Arco, welcher mit viel Einsatz und Können sowohl junge als auch älter gediente Musikanten begeistert, gefolgt von Michael Pichler und zuletzt Fabio Riz, der die Musikkapelle sechs Jahre lang leitete.
Und heute?
Seit Kurzem hat Martino Olivieri die Musikkapelle Truden übernommen, ein junger Musiker mit einer Passion für verschiedene Instrumente. Zurzeit zählt die Kapelle 48 Musikantinnen und Musikanten, die mit viel Freude und Motivation zu den Proben erscheinen und einen starken Zusammenhalt aufweisen.

Quelle: Für die Zusammenstellung des Textes dienten größtenteils die Festschrift zum 175-Jahr-Jubiläum der Musikkapelle Truden und das Trudner Dorfbuch, dessen Urheberrechte die Gemeinde Truden innehat.
Auflistung der Kapellmeister der Nachkriegszeit
| Josef Gabrielli | 1947 – 1949 |
| Alois Weber | 1949 – 1950 |
| Mario Antoniazzi | 1950 – 1955 |
| Erminio Deflorian | 1955 – 1957 |
| Hansjörg Finatzer | 1957 – 1984 |
| Erwin Kramer | 1984 – 1986 |
| Hermann Kalser | 1986 |
| Diether Bonelli | 1987 – 1991 |
| Martin Tiecher | 1992 – 1993 |
| Dietmar Walter | 1993 – 1995 |
| Gerhard Cazzanelli | 1995 – 1998 |
| Manfred Sanin | 1998 – 2007 |
| Stephan Hanspeter | 2007 – 2008 |
| Andrea Loss | 2008 – 2011 |
| Stephan Hanspeter | 2011 – 2014 |
| Michael Pichler | 2014 – 2018 |
| Fabio Riz | 2017 – 2023 |
| Martino Olivieri | seit 2023 |
Auflistung der Obmänner
| Josef Epp | |
| Oswald Pernter | |
| Michael Bonell | |
| Max Amplatz | |
| Michael Vescoli | 1965 – 1973 |
| Anton Jageregger | 1973 – 1975 |
| Adolf Epp | 1975 – 1985 |
| Josef Stuppner | 1985 |
| Leitungskomitee | 1987 – 1989 |
| Karl Heinz Pernter | 1989 – 1991 |
| Andreas Bonell | 1991 – 1998 |
| Karl Heinz Pernter | 1998 – 2000 |
| Andreas Bonell | 2000 – 2001 |
| Michael Stuppner | 2001 – 2007 |
| David Franzelin | 2007 – 2011 |
| Hermann Stuppner | seit 2011 |
